Bildungspolitische Folgen der 68er Revolte

Burschenschaftlicher Abend in Halle an der Saale

III. Mitteldeutsches Colloquium

Bildungspolitische Folgen der 68er Revolte

 

Im Rahmen des III. Mitteldeutschen Colloquiums der Halle-Leobener Burschenschaft Germania sprach Herr Waffenbruder Prof. Dr. George Turner zum Thema: „Bildungspolitische Folgen der 68er Revolte“ am 18. Oktober 2008 in Halle an der Saale. Einleitend einige Worte zu dem am 28.5.1935 in Insterburg/Ostpreußen geborenen Referenten: Von 1955 bis 1959 widmete er sich dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, währenddem er couleurstudentisch bei der damaligen Burschenschaft Frisia Göttingen aktiv wurde. 1960 promovierte der Referent und legte 1963 die zweite juristische Staatsprüfung beim Hanseatischen Oberlandesgericht ab. Nach seiner Habilitation in Bergrecht, Wirtschaftsrecht und bürgerlichem Recht 1966, wurde er zwei Jahre darauf zum juristischen Beirat und Syndikus an der Technischen Universität in Clausthal ernannt. In den Jahren 1986 bis 1989 amtierte er als parteiloser Senator für Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin.

Wie man seinem Lebenslauf entnehmen kann, war Prof. Dr. Turner ein Zeitzeuge der 68er Revolte und ihres Einflusses auf deutschen Universitäten. Zum Verständnis dieser Thematik ist es zunächst erforderlich, sich mit der Begrifflichkeit der „68er“ auseinanderzusetzen. Diese formten nämlich keineswegs eine einheitlich, fest organisierte politische Bewegung, sondern waren vielmehr eine führerlose Strömung. Deren Zusammenhalt gründete sich auf dem Streben nach konkreten Utopien - was schon einen Widerspruch in sich darstellt - wie dem marxistischen Ideal über Schlagworte wie „Antifaschismus“, „Antiimperialismus“ und „Antikapitalismus“.

Um auf ihre Vorstellungen und Ansichten aufmerksam zu machen, wählten sie den Ort der schwächsten gesellschaftlichen Festigung: Die Universitäten. Durch verbale und körperliche Attacken auf die Dozenten versuchten sie die Vorlesungen in Diskussionsplattformen zu verwandeln, um sie so zu ihrem Sprachrohr umzufunktionieren. Diese Störungen wurden von den 68ern als „Studentenstreik“ proklamiert, um so eine Solidarisierung mit den Arbeitern herbeizuführen. Viele sehen in diesen Unruhen den Auslöser für die 1968 erfolgten Hochschulreformen, welche eine Demokratisierung und weitere Öffnung der Universitäten bewirkten. Tatsächlich waren diese jedoch bereits 10 Jahre zuvor beschlossen worden und wurden von den 68ern nicht maßgeblich beeinflusst. Die Auswirkungen der 68er waren vielmehr gesellschaftlicher Natur und äußerten sich in Erziehungskonzepten wie der „antiautoritären Erziehung“. Jedoch trugen sie ebenso zur Abschaffung der Ordinarien an Universitäten bei. Abschließend bleibt zu sagen, dass der größte Fehler im Vorgehen der 68er, die Missachtung der Rechtsregeln, ohne welche ein Staat nicht funktionsfähig ist, war.

Im Anschluss seines Referates äußerte sich Herr Prof. Dr. Turner zu den offengebliebenen Fragen:

Zum einen, ob die Rechtschreibreform im Zuge der Radikalisierung der Erziehungssysteme durch die 68er ausgelöst wurde, was von dem Referenten verneint wurde, da die Grundlagen dafür bereits in den frühen 50er Jahren geschaffen wurden. Die Umsetzung dieser verordneten Reform sah er jedoch als großen Fehler an, da sie der Dynamik einer Sprache zuwider läuft.

Zum anderen, ob eine Radikalisierung wie in den 60er Jahren heutzutage noch einmal stattfinden könnte. Der Referent sah dies als durchaus möglich an, zumal gegenwärtige Ereignisse, wie die Finanzkrise und die Unzufriedenheit weiter Teile der Bevölkerung über ihre eigene Situation, eine ähnliche gesellschaftliche Stimmung schaffen kann wie in den 60er Jahren und daher ein Aufbegehren ähnlicher opportunistischer Kräfte durchaus vorstellbar wäre.

Die Aktivitas der Halle-Leobener Burschenschaft Germania

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