Der demographische Wandel

Burschenschaftlicher Abend in Halle an der Saale

Vortrag von Herrn Prof. em. Dr. Gunter Steinmann am 05.02.2011

Der demographische Wandel

Am Sonnabend, dem 5. Februar 2011, konnte die Halle-Leobener Burschenschaft Germania auf ihrem Germanenhaus vor mehr als 40 Bundesbrüdern und Gästen einen ganz besonderen Gast begrüßen: Herrn Prof. em. Dr. Gunter Steinmann, bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2009 ordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre und Inhaber des Lehrstuhls für Wachstum und Konjunktur an der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und im Moment Inhaber der Johann-Gottfried-Herder-Professur für Wirtschaftspolitik an der Andrássy-Gyula Deutschsprachigen Universität in Budapest.

Professor Steinmann während seines Vortrages auf dem Germananhaus

Eingeladen wurde Professor Steinmann, um über das Thema „Der demographische Wandel und seine Auswirkungen aus wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Sicht“ zu referieren. Nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung durch den Sprecher der Aktivitas bekannte Professor Steinmann, schon seit den 70er Jahren an dieser Problematik zu forschen, zu einer Zeit, in der das Phänomen des Bevölkerungsschwundes nahezu unbekannt war. Seine Habilitationsschrift aus dem Jahr 1972 zeugt von dieser frühen Erforschung des Themas.

In der Form einer Vorlesung führte Professor Steinmann jedoch auf die aktuellen Probleme der Bevölkerungsentwicklungen hin und ging dabei auch auf vielerlei unbekannte Tatsachen ein. So ist die Bevölkerungsabnahme kein kurzfristiges Phänomen, sondern setzte schon am Ausgang des 19. Jahrhunderts ein, in etwa mit der Etablierung der frühen Sozialsysteme. Die Notwendigkeit für viele Kinder, die die Eltern im Alter unterstützen konnten, war damit nicht mehr gegeben. Allerdings sank dadurch auch das so genannte Ersatzniveau, also die Anzahl der Kinder, die benötigt werden, um die Bevölkerung konstant zu halten. Dennoch lag die Quote der Geborenen seit diesen Jahren fast immer unter dem Ersatzniveau.

Zu dem Fehlen von Kindern kommen andere - ökonomisch gesehen - negative Phänomene hinzu. Etwa, daß Mütter in Deutschland bei der Geburt ihres ersten Kindes immer älter werden, was auch die Chance auf ein zweites oder drittes Kind insgesamt verschlechtert. Der zunehmende Druck der Leistungsgesellschaft sowie längere Ausbildungszeiten führen zu einer immer späteren Bereitschaft, den Kinderwunsch zu realisieren. Ebenso bekommen Akademikerinnen immer weniger Kinder. Insgesamt liegt diese Gruppe weit unter dem (ohnehin niedrigen) deutschen Standard. Das wiederum hat entsprechende gesamtgesellschaftliche Folgen. Man sieht schon durch diesen kurzen Exkurs, daß die Dynamiken und Entwicklungen sowohl in sozialer wie auch ökonomischer Hinsicht sehr komplex sind.

Professor Steinmann führte äußerst professionell und doch unterhaltend durch das Phänomen des demographischen Wandels durch die Augen des Ökonomen, ohne auf eigene Wertungen und Empfehlungen zu verzichten. Abschließend zeichnete Professor Steinmann ein nicht allzu negatives Bild der zukünftigen Entwicklungen, das sich wohltuend von den Untergangsrufen anderer Protagonisten abhob.

So schlug Professor Steinmann die Einrichtung von Familienbeauftragten statt immer neuer Gleichstellungsbeauftragten in den Betrieben vor. Dies wäre in der Tat ein Zeichen für eine verbesserte Familienfreundlichkeit. Die Bevorzugung von Eltern wäre nicht nur ein materieller Anreiz, sondern würde auch einen Paradigmenwechsel in der Familien- und Sozialpolitik bedeuten. Darauf zielte ebenso der andere Vorschlag Professor Steinmanns ab, die Einführung eines Familiensplittings. Die verbesserte steuerliche Abzugsfähigkeit durch die Hinzurechnung des bzw. der Kinder auf das gesamte Steueraufkommen der Familie würde zu einer spürbaren Entlastung von Familien führen und den Kinderreichtum belohnen.

Auch die anschließende Diskussion war von großer Zustimmung zu den Thesen Professor Steinmanns gekennzeichnet, auch wenn hier und da angemahnt wurde, daß man die komplexen Abläufe des Bevölkerungsschwundes nicht allein ökonomisch erklären kann, was Professor Steinmann allerdings gleich in der Einleitung selbst ansprach. Aufkommende Fragen zu Migration und Integration wurden ebenso in den Gesamtkomplex eingearbeitet, auch wenn in diesen Fällen einige Teilnehmer vielleicht nicht ganz mit der Meinung des Referenten übereinstimmten. Die Frage nach nationaler Identität lässt sich nicht vom Themenkomplex des demographischen Wandels trennen. Der Zuzug von Migranten jeglicher Art mag ökonomisch gewünscht sein, er muß jedoch unter einer identitären Perspektive stark gemindert werden. Professor Steinmann wies in seinem Vortrag darauf hin, daß der überwiegende Anteil der Migration nach Deutschland durch den so genannten Familienzuzug zu Stande kam und kommt. Die Einschränkung dieser Entwicklung muß Vorrang haben, will man die Identität Deutschlands als Staat der Deutschen wahren.

Professor Steinmann merkte des weiteren an, daß seine Thesen und Lösungsvorschläge zur bevölkerungsökonomischen Entwicklung Deutschlands in Teilen starke Übereinstimmungen und Parallelen zu der ökonomischen und gesellschaftspolitischen Analyse und Zukunftsperspektive Thilo Sarrazins („Deutschland schafft sich ab - Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“) aufweisen. Hierzu verwies er auf sein 2007 veröffentlichtes Buch „Kindermangel in Deutschland - Bevölkerungsökonomische Analysen und familienpolitische Lösungen“.

Professor Steinmann vor mehr als 40 Zuhörern auf dem Germanenhaus

Insgesamt kann gesagt werden, daß der Vortrag über das - auch für die Zukunft - immens wichtige Thema sehr informativ war, souverän vorgetragen durch einen wirklichen Experten auf dem Gebiet der Bevölkerungsökonomie. Ebenso die anschließende teils sehr angeregte Diskussion kann als sehr dienlich im Sinne eines umfassenden Meinungsbildungsprozesses, fernab etwaiger Schranken der politischen Korrektheit, bezeichnet werden.

Die Aktivitas der Halle-Leobener Burschenschaft Germania

 

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