Felix Graf von Luckner

Burschenschaftlicher Abend in Halle an der Saale

Felix Graf von Luckner - ein Ritter zur See

Zweifelsohne erlangte Felix Graf von Luckner seine Berühmtheit im Ersten Weltkrieg, als er mit seinem Hilfskreuzer „Seeadler“, einem motorisierten Segelschiff, die englische Seeblockade durchbrach und 14 feindliche Schiffe versenkte. Das Lebensbild jenes Mannes, dessen Ritterlichkeit vor allem von seinen Gegnern bezeugt wurde, versucht die „Felix Graf von Luckner Gesellschaft e. V.“ bis heute zu bewahren. Um mehr über sein bewegtes Leben zu erfahren, lud die Halle-Leobener Burschenschaft Germania am 18. Juni 2009 zu einem Burschenschaftlichen Abend über die Thematik „Felix Graf von Luckner“. Der Vorsitzende der Luckner-Gesellschaft hielt hierzu einen überaus interessanten Vortrag.

Schon von seiner Jugend an zog es Felix Graf von Luckner vom Elternhaus hinaus auf See. Der 1881 geborene Junge riss mit gerade einmal 16 Jahren von seiner Oma, bei der er aufwuchs, aus und heuerte unter dem Namen „Phylax Lüdecke“ als Schiffsjunge auf einem russischen Segler an. Von da an begann seine steile Karriere als Seefahrer; sein erklärtes Ziel war es, erst im Kapitänsrock wieder zurückzukehren. „Für Volk und Heimat“ lautete der Glaubensschrei der deutschen Nation 1914 kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges. Diesem Bekenntnis entzog sich auch Luckner nicht, so daß ihm der gewaltige Opfergang mehr als jede andere Zeit in seinem Leben in besonderer Erinnerung bleiben sollte. Nachdem er als Artillerieoffizier an der Skagerrakschlacht teilgenommen hatte, übernahm er 1916 das Geheimkommando auf der „Seeadler“. Mit dem getarnten norwegischen Segelschiff sollte die alliierte Seeblockade durchbrochen werden, um englische Handelsschiffe zu versenken. Selbst eine Durchsuchung des Schiffes von englischer Seite erweckte bei den Gegnern kein Mißtrauen. Der Coup war perfekt geplant, die Crew sprach norwegisch und zu ihrem Privatrepertoire gehörten auch Briefe von ihren „norwegischen Frauen“. Luckners Kriegsführung war stets sauber und ritterlich, immer dann wenn er sich einem Handelsschiff näherte, hisste er die Reichskriegsflagge; bei seinen Angriffen mit der Seeadler kam nur ein einziger englischer Seemann ums Leben, der infolge eines Granateinschlags von heißem Wasser tödlich verletzt wurde. Ab dem Augenblick als ein Gegner sein Schiff betrat, war er für Luckner zum Gast geworden. So entstanden während eines mörderischen Krieges Freundschaften und Luckners Ruf sollte bald um die ganze Welt gehen. 1917 geriet er mit seiner Mannschaft in neuseeländische Kriegsgefangenschaft. Nach ein paar Wochen jedoch wurde es dem „Seeteufel“ langweilig und ihm gelang die Flucht. 900 km nördlich ergab er sich vor 2 australischen Marinesoldaten. „Ich kämpfe nur in Uniform“, lies Luckner die Soldaten wissen. 1918 wurde er als Freund aus der Gefangenschaft entlassen und ging zurück nach Halle an der Saale.

Nach dem Ersten Weltkrieg war die Not groß und ganze Generationen suchten in einer wirren Zeit nach alten Helden, nach Glanz und Größe früherer Tage. Vielleicht auch gerade deshalb erlangte Luckner in der Weimarer Zeit, nicht zuletzt durch sein Buch „Seeteufel“, enorme Bewunderung. Es folgten immer mehr Vorträge und in der ganzen Welt bewunderte man den „guten Deutschen“. Eines war aber sicher: Luckner wollte wieder ein Schiff haben! So wurde ihm 1936 von der deutschen Regierung ein 40 Meter langes Schifferboot mit dem Namen „Seeteufel“ zur Verfügung gestellt. Infolge dessen segelte er zu den alten Stationen früherer Jahre, wo er freudig begrüßt wurde. Während des Zweiten Weltkrieges lebte Luckner in Halle als „Privatmann“.

Daß Halle an der Saale von den alliierten Bombern nicht komplett zerstört wurde, ist maßgeblich Felix Graf von Luckner zu verdanken. Als das alte Deutschland kurz vor der völligen Zerschlagung stand und die sogenannten „Timberwolves“, die 104. US Infanteriedivision, Halle einnehmen wollten, war es Luckner, der mit den Amerikanern verhandelte und sie von der totalen Zerstörung der alten Musenstadt Halle abhielt. Nach ersten Kämpfen am 16. April 1945 stellten sich die Amerikaner auf heftige Gefechte ein, denn sie stießen auf erbitterten Widerstand versprengter Soldaten und Volkssturmmänner. Wie durch ein Zufall gelangte es Luckner mit dem Major Karl Huhold den Amerikanern die Stadt zu übergeben, um damit Halle und seine Bewohner zu retten.

Erklärtes Ziel der Felix Graf von Luckner Gesellschaft ist es, „Menschen aus aller Welt zusammenbringen, die Felix Graf von Luckner und sein Lebenswerk schätzen“. Luckners facettenreiches Leben soll uns heute Mahnmal für Völkerverständigung und Friede auf gleicher Augenhöhe sein. Am 13. April starb Luckner in Malmö / Schweden, beigesetzt wurde er in Hamburg. Wenn uns sein Leben etwas lehrt, dann ist es vor allem die Erkenntnis, daß der Wille zur Menschlichkeit im Krieg größer sein kann, als der Wille zur Unterdrückung.

Die Aktivitas der Halle-Leobener Burschenschaft Germania

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